Wieland-Gesellschaft e.V.

20 Jahre Wieland-Gesellschaft

Wieland-Gesellschaft, Biberach/Riß, Christoph Martin Wieland, Veranstaltungen, Geschichte, Kultur

20 Jahre Wieland-Gesellschaft e.V.

Zwei Jahrzehnte im Zeichen der Aufklärung und Literatur

Im März 2026 feiert die Wieland-Gesellschaft e.V., mit Sitz in Biberach an der Riß, ihr 20-jähriges Bestehen – ein Anlass, auf zwei Jahrzehnte lebendige Beschäftigung mit Leben, Werk und Wirkung von Christoph Martin Wieland (1733–1813) zurückzublicken, der bis heute als einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Schriftsteller der Aufklärung im damaligen deutschen Sprachgebiet gilt. Seit ihrer Gründung im Jahr 2006 hat sich die Gesellschaft zu einem festen Bestandteil im Kulturleben von Wielands Heimatstadt Biberach entwickelt – mit einem klaren Ziel: Wielands Leben, Werk und Wirken einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Gründungsphase

Im Frühjahr 2005 musste entschieden werden, wie es mit dem Biberacher Wieland-Museum und Wieland-Archiv weitergehen würde, da die bisherige Leiterin in den Ruhestand ging. Der damalige Kulturdezernent hatte von der Entstehung eines neuen Wieland-Forschungszentrums im Wieland-Gut in Oßmannstedt bei Weimar erfahren. Es keimte die Vorstellung, aus dem Wieland-Archiv in Biberach die für das genannte Forschungszentrum notwendigen und wichtigen Buchbestände als Dauerleihgabe nach Oßmannstedt zu translozieren. Im Gegenzug sollte dann mit Mitteln aus der Hamburger Stiftung für Wissenschaft und Kultur, in Unterstützung durch Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma, in Biberach ein neues, modernes Wieland-Museum entstehen.

Gegen ein solches Vorhaben regte sich in Biberach aber ein beachtlicher bürgerschaftlicher Widerspruchsgeist. Unter dem Motto „Das Archiv muss hier bleiben.“ fanden sich 25 Bürger/innen zusammen, die am 15.03.2006 die Wieland-Gesellschaft e.V. mit ihrem ersten Präsidenten Dr. Ferdinand Flechtner gründeten. Am Ende desselben Jahres hatte die Gesellschaft ihr Ziel erreicht: Alles, was im Laufe von 100 Jahren durch bürgerschaftliches Engagement, insbesondere von der Fabrikanten-Familie Schelle, an Memorabilien an Christoph Martin Wieland zusammengetragen und erhalten worden war, soll in seiner Heimatstadt verbleiben: so der damalige Gemeinderats-Beschluss.

Zur Pflege dieses wertvollen Kulturguts und zur Weiterentwicklung der Bestände wurde dann drei Jahre später die kommunalen Christoph Martin Wieland-Stiftung  Biberach eingerichtet. Somit ist die Stadt Biberach in der komfortablen Situation, gleich mit zwei Einrichtungen das Andenken an Christoph Martin Wieland pflegen zu können: mit der genannten kommunalen Stiftung und der ehrenamtlich tätigen Wieland-Gesellschaft e.V. Das ist eine gute Basis, um Christoph Martin Wieland als eine der zentralen Gestalten der deutschen Aufklärung mit seinen Werken wieder stärker ins kulturelle Bewusstsein zu rücken.

Entwicklung und Etablierung

In den Folgejahren gelang es der Wieland-Gesellschaft e.V., mit ihrer Vereinsarbeit einen wesentlichen Beitrag zum erweiterten und vertieften Verständnis von Wieland und seinem Werk zu leisten: in den Anfängen noch mit Beteiligung bei Benefiz-Veranstaltungen für Wieland und Lehr-Fahrten auf seinen Spuren, dann verstärkt mit Vorträgen, Lesungen, Schulprojekten, Stadt- bzw. Park-Führungen in Biberach und Theater-Aufführungen.

Besonders hervorgehoben werden müssen die – seit 2016 – regelmäßig alle drei Jahre stattfindenden Biberacher Wieland-Tage. Sie stehen jeweils unter einem bestimmten Leit-Thema, die da waren: Wieland und Bildung, Wieland und Sprache, Wieland und Gesellschaft sowie Wieland und Musik. Die Wieland-Tage dauern jeweils von freitags bis sonntags und enthalten in ihrem Ablauf einen Festvortrag, eine größere Veranstaltung, wie z.B. ein Theater-Stück, und eine Matinee bzw. Soiree, (s.Foto) Die Leitung der Wieland-Tage lag von Anfang an in den Händen von Barbara Leuchten, die dann im Jahr 2019 zur neuen Präsidentin der Gesellschaft gewählt wurde.

Sie war fast 20 Jahre zuvor die Initiatorin der Esel-Skulptur auf dem Biberacher Marktplatz; im Jahr 2000 enthüllt, ist diese Skulptur heute ein „markantes Wahrzeichen der Stadt“. Der Künstler Peter Lenk aus Bodmann hat für sein  Kunstwerk als Thema die abderitische Geschichte „Der Prozeß um des Esels Schatten“ von Christoph Martin Wieland gewählt.

Wichtig in der Vereins-Arbeit der Gesellschaft war auch, Christoph Martin Wieland zum Betrachten und Be-Greifen im städtischen Raum zu präsentieren, wie mit der im Jahr 2020 entstandenen Figur „Wieland im Sturm“ des Künstlers Tobias Wedler aus der Nähe von Biberach/Riß. Sie konnte mit der Unterstützung der Wieland-Gesellschaft e.V. realisiert und im Sommer 2020 im Wieland-Park enthüllt werden; es scheint, als sei Wieland dort zu seinem Gartenhaus zurückgekehrt. (s.Foto)

All diese Aktivitäten fanden so häufig wie möglich in Kooperation mit anderen ortsansässigen Bildungseinrichtungen statt. Dazu gehören u.a. die Biberacher Schulen, einschließlich der Jugendmusikschule, oder andere Vereine wie Jugend Aktiv e.V., die Renaissance-Tanzgruppe, die Rokoko-Gruppe Biberach oder der Dramatischen Verein e.V. in Biberach. „Wieland soll Kreise ziehen“, lautet ein Motto der Wieland-Gesellschaft e.V. in ihrem Bemühen um Christoph Martin Wieland.

Mit ihrer Arbeit trägt die Gesellschaft dazu bei, Wielands Bedeutung als „ersten europäischen Intellektuellen“ des deutschen Sprachraums neu zu bewerten – als Autor, der mit seinen Werken Toleranz, Humanität und ästhetische Freiheit zu Leitmotiven seiner Zeit machte.

Ausblick – Aufklärung im 21. Jahrhundert

Das Jubiläumsjahr 2026 soll daher nicht nur Rückblick, sondern auch Auftakt sein: Prof. Dr. Klaus Manger aus Jena wird aus diesem Anlass einen Festvortrag über Wieland und Goethe halten mit dem Thema: „Besser als Wieland versteht mich doch keiner.“ Prof. Dr. em. Manger ist seit Jahren Germanist am Institut für Germanistische Literaturwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena. So bleibt die Wieland-Gesellschaft e.V. ihrem Leitmotiv treu: der Verbindung von Wissenschaft, Kultur und Öffentlichkeit im Sinne einer lebendigen Aufklärung.
Nach zwanzig Jahren darf man sagen: Wielands Geist lebt – nicht nur im Museum, sondern auch, heutzutage insbesondere, im Gespräch und im Erleben.

 

Text von Barbara Leuchten, Präsidentin der Wieland-Gesellschaft e.V.

Biografien

Wieland zum Genießen

Sonntagnachmittag mit Wieland

Am 8. Februar 2026 lädt die Wieland-Gesellschaft e.V.zu einem literarischen Beisammensein in die oberen Räume des Komödienhauses ein. Eingeladen ist jede/r, der oder die Interesse an dieser Veranstaltung hat. Bei Kaffee, Tee oder Wein spricht Gunther Dahinten über Christoph Martin Wielands Werk „Oberon, Ein romantisches Heldengedicht in zwölf Gesängen“ und bringt dazu Musikbeispiele aus der Oper „Oberon“ von Carl Maria von Weber (1826).

Beginn: 16.00 Uhr, Einlass ab 15.30 Uhr;
Eintrittspreis: 9 € (Verzehr inbegriffen).
Karten an der Tageskasse.

Gerade konnten wir in Biberach im „Sommernachtstraum“ von Shakespeare, in der Silvesteraufführung des DRAM, die Figur des „Oberon“ erleben. Und jetzt hören wir von ihm als dem Titelhelden des Versepos‘ Oberon von Christoph Martin Wieland. Ein „Meisterwerk poetischer Kunst“ nannte Goethe diese Verserzählung, in der es um das alle und jede/n betreffende Thema von Liebe und Treue geht.

Schon bald nach dem ersten Erscheinen (1780) hatte das brillant geschriebene Heldengedicht Wielands eine große Leserschaft und beeinflusste darüber hinaus zahlreiche dichterische und musikalische Werke jener Zeit, z.B. bei Schiller und Goethe; Mozart oder C.M.v.Weber.

Letzterer, auch bekannt als Komponist der Oper „Freischütz,“ hatte seine Oper „Oberon“ als Auftragsarbeit verfasst, die dann 1826 in London uraufgeführt wurde.

Gunther Dahinten spricht also über den im 19. Jahrhundert sehr populären „Oberon“ in Dichtung, Musik und auch darstellender Kunst.

Eine Kooperation mit dem Dramatischen Verein.

Programmvorschau 2026

Wieland-Gesellschaft, Biberach/Riß, Christoph Martin Wieland, Veranstaltungen, Geschichte, Kultur

Programmvorschau 2026

Wieland-Gesellschaft, Biberach/Riß, Christoph Martin Wieland, Veranstaltungen, Geschichte, Kultur

FEBRUAR

08.02.2026, 16:00 Uhr, Komödienhaus
Gunther Dahinten, Lesung zu „Oberon“ von CM Wieland, mit Musikbeispielen aus der Oper „Oberon“ von Carl Maria von Weber

MÄRZ

13.03.2026,  19:00 Uhr, Gemeindezentrum St. Martin
Jahreshauptversammlung

14.03.2026, 16:00 Uhr, Gemeindezentrum St. Martin
Fest-Vortrag, Prof. Dr. Klaus Manger (Jena), Anlass: 20 Jahre Wieland-Gesellschaft. „Wieland und Goethe: Besser als Wieland…“

26.03.2026, 16:30 Uhr, Haus der Archive (Roter Bau)
Führung durch das Wieland-Archiv (für Mitglieder)

JULI

22.07.2026, 16:00 Uhr, Wieland-Park
Poetischer Spaziergang im Wieland-Park mit G. Dahinten, R. Boehm, B. Leuchten

AUGUST BIS OKTOBER

15.08.2026, 15:00 Uhr
12.09.2026, 15:00 Uhr
26.09.2026, 15:00 Uhr
10.10.2026, 15:00 Uhr 
Führungen durch den Wieland-Park

OKTOBER

17.10.2026, 15:00 Uhr, Gemeindezentrum St. Martin
„Wieland und Karl May“: Vortrag von Laura Thüring, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Karl-May-Gesellschaft

Theater Ohne Namen: Prinz Biribinker

Theater ohne Namen: Prinz Biribinker

Musiktheater

Mit „Prinz Biribinker“ bringt das Theater Ohne Namen (T.O.N. Abdera e.V.) aus Biberach ein außergewöhnliches Märchen auf die Bühne, das nicht nur durch seine historische Tiefe, sondern auch durch seine sinnlich-frivole Erzählweise besticht. Christoph Martin Wieland, einer der bedeutendsten deutschen Aufklärer, schrieb dieses Märchen 1764 während seiner Zeit in Biberach – und schuf damit das erste deutsche Kunstmärchen.

Ein Märchen jenseits der Moral
Prinz Biribinker ist kein gewöhnlicher Held: Tagsüber wirbt er um die Gunst seiner Angebeteten, nachts jedoch wird er von Feen und Nymphen in eine Welt der Verlockungen entführt. Wieland selbst bezeichnete sein Werk als „lehrreich“ und „in allen Betrachtungen weit interessanter als irgendein anderes Märchen der Welt“. Mit ironischem Witz und philosophischer Tiefe stellt er die Gesetze der Natur und der Moral auf den Kopf – ein Spiel mit Konventionen, das bis heute fasziniert.

Musiktheater mit Originaltexten
Das Theater Ohne Namen hat Wielands Märchen in ein modernes Musiktheater verwandelt – mit Elementen aus dem Originaltext und einer Inszenierung, die zwischen Traum und Realität pendelt. Die Aufführung findet im Rössle Füramoos statt und verspricht ein sinnliches Erlebnis voller Fantasie, Humor und Tiefgang.

Ein Muss für Liebhaber des poetischen Theaters und alle, die sich von einem Märchen verführen lassen wollen, das weit mehr ist als bloße Fantasie.

Aufführungen

Rössle Füramoos
Fr. 21. November um 19:30 Uhr
Sa. 22. November um 19:30 Uhr
So. 23. November um 19:30 Uhr

Fr. 28. November um 19:30 Uhr
Sa. 29. November um 19:30 Uhr
So. 30. November um 19:30 Uhr

Stadthalle Biberach
Do. 22. Januar 2026 um 19:30 Uhr
Fr. 23. Januar 2026 um 19:30 Uhr

Motorworld Warthausen
Fr. 30. Januar 2026 um 19:30 Uhr
Sa. 31. Januar 2026 um 19:30 Uhr

Dorfgemeinschaftshaus Rissegg
So. 01. Februar 2026 um 18:30 Uhr