Wieland-Gesellschaft e.V.

Wielands Weg

1733 – 1813

Der Dichter und Denker aus Biberach/Riß

C. M. Wieland. Ölportrait v. G. O. May. 1779.
(Wieland-Archiv Biberach)
C. M. Wieland. Ölportrait v. G. v. Kügelgen. 1808.
(Universitätsbibliothek Tartu)

von Oberholzheim

1733-1736

Kirche und Pfarrhaus Oberholzheim. Kol. Stich v. W. Pobuda nach M. Braun. 1840 (Wieland-Archiv Biberach)

Im Pfarrhaus in Oberholzheim neben der Kirche wurde Christoph Martin Wieland am 5. September 1733 geboren. Zwei Drittel des damaligen Dorfes gehörten dem Biberacher „Hospital zum Heiligen Geist“ und die dortige Pfarrstelle war bereits von Wielands Großvater besetzt und danach von seinem Vater Thomas Adam Wieland. 1736 ging dieser als Prediger an die Biberacher St. Maria Magdalena Kirche, durchlief hernach die Hierarchie der evangelischen Geistlichen und wurde 1761 Senior Prediger an der Stadtpfarrkirche St. Martin

und Biberach

1736-1750 und
1760-1769
Rathaus Biberach a. d. Riß

1736 war die Familie Wieland in die Waaghausstraße nach Biberach gezogen. Vater Wieland war sehr auf eine gute Bildung seines Sohnes bedacht; so unterrichtete er ihn erst selbst ab dessen 4. Lebensjahr, bis der Junge als Sechsjähriger in die ehemalige Evangelische Lateinschule gehen konnte. Dort machte das frühreife Kind sein Examen 5 Jahre vor der Zeit und erhielt anschließend noch Privatunterricht vom Rektor der Schule. Als 14-Jähriger war Christoph Martin bereits dem „Biberacher Bildungsmilieu“ entwachsen und besuchte auf Betreiben des Vaters ab Spätsommer 1747 (bis 1749) das Internat Kloster Berge bei Magdeburg, damals eine der besten Schulen in Deutschland. Nach einem kurzen Bildungs-Aufenthalt in der Universitäts-Stadt Erfurt kehrte Wieland 1750 nach Biberach zurück. Im Sommer dieses Jahres lernte er seine Cousine Sophie Gutermann (spätere Sophie von La Roche) kennen; die beiden verlobten sich, der Überlieferung nach, am Lindele. Ohne seine Verlobte und ihre Motivation wäre Wieland, wie er selbst am Ende seines Lebens sagte, kein Dichter geworden. 

Im Oktober 1750 machte sich Wieland wieder auf Bildungs-Wanderschaft, zunächst nach Tübingen, später dann nach Zürich und Bern, und kehrte 10 Jahre später, 1760, in seine Heimatstadt zurück, wo er zum Senator und Kanzleiverwalter gewählt wurde. Neun Jahre übte er dieses Amt aus und war in diesen sog. „Biberacher Jahren“ als Dichter sehr kreativ und produktiv; es entstanden wichtige Werke wie die Verserzählung „Musarion“ oder der Roman „Die Geschichte des Agathon“. Der Dichter übersetzte außerdem 22 Shakespeare-Dramen, als erstes davon „The tempest“. Dieses Stück „Der Sturm“ brachte er 1761 auf die Bühne des Komödienhauses in Biberach – als erste deutsche Shakespeare-Aufführung. 1765 heiratete er die Augsburger Kaufmannstochter Anna Dorothea von Hillenbrand, mit der er insgesamt vierzehn Kinder hatte.

Seine damalige Wohnung befand sich rechts im Bild in der Kanzlei neben dem abgebildeten Rathaus.

nach Weimar

1775-1797 und
1803-1813

1772 folgte Christoph Martin Wieland dem Ruf der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach, die Aufgabe des Prinzenerziehers ihres ältesten Sohnes Carl August zu übernehmen. Nachdem sich auch Goethe (1775), Herder (1776) und Schiller (1787) in Weimar niedergelassen hatten, entwickelte sich mit diesem  „Viergestirn“ die Weimarer Klassik. Bereits 1775 wurde Wieland, mit der Volljährigkeit von Carl August, aus dem Amt des Prinzenerziehers entlassen und erhielt eine Pension auf Lebenszeit. Als freier Schriftsteller verfasste er : Verserzählungen, darunter, als bekannteste, „Oberon“; den satirischen Roman „Die Geschichte der Abderiten“; Übersetzungen von Texten aus der griechischen und römischen Klassik (wie Horaz und Lukian) und Singspiele. Er war Herausgeber der Kulturzeitschrift „Der Teutsche Merkur“ (von 1790-1810) und er kümmerte sich um die Herausgabe seiner 45-bändigen „Sämmtlichen Werke“.

1797 kaufte Wieland in Oßmannstedt, 10 km nordöstlich von Weimar, ein Landgut, das er nach römischem Vorbild sein „Osmantinum“ nannte. Hier lebte er mit seiner Frau, zwei Söhnen, vier Töchtern und vier Enkelkindern und wollte sich den Traum eines „poetischen Landwirts“ erfüllen.
Nach seiner Rückkehr aus Oßmannstedt 1803 – seine Frau war 1801 gestorben -beschäftigte sich der Dichter, neben einigen heiteren Novellen, vornehmlich mit der Kunst des Übersetzens, insbesondere von Cicero. 1810 trat er noch in die Freimaurerloge „Amalia“ ein, bevor er am 20. Januar 1813 starb. Er ist beigesetzt an der Seite von seiner Frau Dorothea und von Sophie Brentano, einer Enkelin von Sophie von La Roche, im Park von Oßmannstedt, in einer Ilmschleife,
Seit 1857 steht das Wieland-Denkmal, geschaffen von Hanns G. Gasser, am heutigen Wielandplatz in Weimar.

Wieland-Denkmal in Weimar. Wielandplatz

und Oßmannstedt

1797-1803

C. M. Wieland hat 1797 das zweistöckige barocke Gutshaus in Oßmannstedt erworben und lebte dort bis 1803 mit seiner Familie als „poetischer Landjunker“. Der Dichter schrieb dort die Romane „Aristipp und einige seiner Zeitgenossen“ und „Agathodämon“; außerdem übersetzte er Werke von Euripides, Aristophanes und Xenophon. Das Landgut nannte er sein „Osmantinum“ nach dem „Sabinum“ des römischen Dichters Horaz. Häufige Gäste waren u. a. J. W. v. Goethe, J. G. v. Herder, Herzogin Anna Amalia, Heinrich von Kleist und Sophie von La Roche mit ihrer Enkelin Sophie Brentano, die bei einem erneuten Besuch im Jahre 1800 dort starb; drei Jahre später verstarb auch Wielands Frau Anna Dorothea. Im Gutspark am Rande der Ilm ist Wieland zusammen mit seiner Frau nebst Sophie Brentano beigesetzt.

Wielands Landgut in Oßmannstedt. 

Wieland – Werk und Wirken

Einer der meist gelesenen und bedeutendsten Schriftsteller zur Zeit der Aufklärung

Der Erste des klassischen Viergestirns in Weimar (Wieland, Herder, Goethe, Schiller) – Wieland als ­Begründer der Weimarer Klassik

Erster deutscher Shakespeare-Übersetzer (22 Shakespeare-Dramen) und Aufführung des ersten Shakespeare-Stückes in deutscher Sprache (Der Sturm) auf einer deutschen Bühne – in Biberach

Autor des ersten deutschen Bildungsromans (Geschichte des Agathon)

Erneuerer des deutschen Singspiels (Alceste) und Verfasser des ersten deutschen Dramas in Blankversen (Lady Johanna Gray)
Gründer und Herausgeber des „Teutschen ­Merkur“, der ersten erfolgreichen Kultur­zeitschrift in Deutschland
Die erste Ausgabe von Wielands sämtlichen Werken erschien 1794 – 1811 in 45 Bänden.

„Nichts Wesentliches ist in ­Wielands künftigem Leben und ­Wirken, was
nicht in seiner ­Biberacher Zeit sich ­angesetzt hätte. In den neun Jahren
[1760 – 1769] hat er sich selbst ­gefunden, ist er ­WIELAND geworden.“

Bernhard Seuffert, 1907

Wielands Gartenhaus

In einem Brief aus dem Jahre 1768 schreibt Wieland einem Freund:

„[Ich habe] ganz nahe an unserer Stadt, aber doch in einem etwas einsamen Orte, ein artiges Gartenhaus gemietet, wo ich die angenehmste Landaussicht von der Welt habe… Hier sehe ich die Knaben baden… Ich sehe Mühlen, Dörfer, einzelne Höfe; ein langes angenehmes Thal, das sich mit einem zwischen Bäumen hervorragenden Dorfe mit einem schönen, schneeweißen Kirchthurm endet… Das alles macht eine Aussicht, über der ich Alles, was mir unangenehm seyn kann, vergesse, und, mit diesem Prospekt vor mir, sitze ich an einem kleinen Tische, und – reime.“ [C. M. Wieland an F. J. Riedel, 24. August 1768] Dieser Blick auf Ummendorf und Schloss Horn, den Wieland damals noch genießen durfte, ist dem Betrachter von heute verstellt und das Bett der Riss wurde weiträumig verlegt und begradigt.

Wieland-Gartenhaus. Gez. v. C. Glöckler. o. J. (Wieland-Archiv).
Wieland-Gartenhaus. 1919.
(Wieland-Archiv).
„Vertrauter Klang“, 2014
(Ausschnitt Aquarell: Hans-Jürgen Schäfer, Mittelbiberach)

Buch "Wieland und Biberach" – Der Dichter und Denker aus Biberach/Riß

Alle wichtigen Stationen aus Wielands Leben, von seiner Kindheit bis hin zu seiner Zeit als Kanzleiverwalter in der Freien Reichsstadt Biberach (1760 –1769) sind hier dargestellt. In der ehemaligen Stadtkanzlei befanden sich sowohl Wielands Amts- als auch seine Wohnräume; hier hat er gearbeitet und gelebt, zunächst als Junggeselle, später dann mit seiner jungen Familie. Er fand hier genügend Freiraum für sein produktives dichterisches Schaffen, beflügelt durch Christine, Anna Dorothea oder Sophie als seine möglichen Musen.

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